Samstag, 17. Mai 2014

Rezension: Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

(John Green

Verlag: Hanser Verlag (Juli 2012) 

Seiten: 288

Preis: 16,90€ (D) 

 

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„Krebsbücher sind doof“, sagt die 16-jährige Hazel, die selbst Krebs hat. Sie will auf gar keinen Fall bemitleidet werden und kann mit Selbsthilfegruppen nichts anfangen. Bis sie in einer Gruppe auf den intelligenten, gut aussehenden und umwerfend schlagfertigen Gus trifft. Der geht offensiv mit seiner Krankheit um. Hazel und Gus diskutieren Bücher, hören Musik, sehen Filme und verlieben sich ineinander - trotz ihrer Handicaps und Unerfahrenheit. Gus macht Hazels großen Traum wahr: Gemeinsam fliegen sie nach Amsterdam, um dort Peter Van Houten zu treffen, den Autor von Hazels absolutem Lieblingsbuch. 
Quelle: amazon.de

"Krebsbücher sind doof", diese Ansicht von Hazel der Protagonistin, habe ich bisher in gewissen Aspekten geteilt. Und ich tue es immernoch.  In gewissen Aspekten.
Dennoch wollte ich nach dem ganzen Hype der letzten Zeit mal sehen, ob dieses Buch hält was alle versprechen. "Taschentücher bereit halten." "Das emotionalste und traurigste Buch überhaupt." Das waren so ungefähr die Aussagen nach denen ich die Emo-Messlatte (haha) höher und höher angesetzt hatte. Da ich persönlich nun generell eher die Finger von Büchern lasse, bei denen von vorneherein klar ist, dass sie nicht gut enden werden (also sprich, wo es um todkranke Menschen geht), hatte ich mir emotionale Unterstützung in Form meiner ersten Instagram-Leserunde zusammengetrommelt, da ich nach allem was man so hörte ganz stark davon ausging, dass ich sie benötigen würde...

Nach diesem ersten Absatz zu meiner persönlichen Meinung dürfte nun wohl jedem klar sein: Nein. Ich habe diese emotionale Stütze nicht gegen all meiner Erwartungen in Anspruch nehmen müssen. Dennoch habe ich gerade zum Ende hin tatsächlich auch ein paar Tränchen verdrücken müssen. Panische Schluchzer blieben jedoch aus und auch wenn ich dem Buch ein paar Tage geben wollte um "nachzuwirken" bevor ich meine Rezension verfasse, hat es diese Zeit gar nicht mal wirklich gebraucht.

Zum Buch: Die Einstellung und generell die Beschreibung von Hazel hat mir gut gefallen. Sie ist eine sympatische junge Frau, die bereits in gewisser Weise mit ihrem Schicksal Frieden geschlossen hat. Ich fand es sehr erfrischend wie herrlich kühl, realistisch sie die Dinge betrachtet und beschreibt wie sie eben sind, ohne dabei "rumzujammern", obwohl sie dazu wohl jedes Recht hätte. 
Gus hingegen ist ein Charakter für mich, bei dem die Emotionen bei mir irgendwie nicht angekommen sind. Von Anfang an wirkte seine Figur auf mich zu konstruiert, was sich für mich auf die ganze Geschichte ausgewirkt hat. So war für mich so ziemlich das ganze Buch vorhersehbar. Selbst ein Plot-Twist ist da keine große Überraschung mehr, sobald man merkt in welche Richtung es geht. 

Trotzdem muss ich sagen, dass sich John Greens Schreibstil auch sehr angenehm lesen lässt, trotz des Themas. Und vielleicht ist es auch gerade gut, dass man (ich) über die Hälfte des Buches den Krebs eher nüchtern / mit schwarzem Humor betrachtet, eben durch Hazels Augen. Und selbige blieben daher auch größenteils trocken. Dass das Ende mir noch ein paar Tränchen abgeluchst hatte, sehe ich persönlich eher als Themengegeben.

Das Buch hat mir gefallen. Ja. Das Buch hat mich in einen emotionalen Tumult geworfen, mir einen Sturzbach an Tränen abverlangt und mir gezeigt wie wertvoll und lebenswert das Leben ist. Nein.
Für mich ist und bleibt es ein "Krebsbuch". Eines das gut geschrieben ist, auch dem Thema entsprechend traurig, aber in meinen Augen gibt es Bücher aus anderen Genres (bzw. Szenen aus diesen), die ich wesentlich emotionaler empfunden habe, als dieses Buch. Vielleicht ist der Hype Schuld und die damit bereits gesetzten Erwartungen. 
Auch, wenn es sich nun größenteils nach einer Meckertirade anhört, fand ich das Buch recht schnell und angenehm zu lesen (und auf die Gefahr hin nun von einigen gesteinigt zu werden sage ich es jetzt einfach mal so: Es ist etwas, was man auch mal "schnell zwischendurch" lesen kann) und habe daher zwischen 3 1/2 und 4 Luis geschwankt...


Und 4 sind es geworden für „Das Schicksal ist ein mieser Verräter" für ein Krebsbuch ein klein wenig besser als der Durchschnitt. Aber kein emotionales Jahreshighlight für mich.

Kommentare:

  1. Hey meine Liebe, wie gestern bei Instagram versprochen habe ich mir heute deine Rezi durch gelesen. Ich bin zwar noch nicht ganz durch, wenige Seiten fehlen noch, aber ich unterschreib das hier. Genauso könnte ich die Rezi auf meinem Blog übernehmen (keine Sorge, mach ich natürlich nicht)

    Vielleicht waren wir auch ein wenig zu voreingenommen, man hat ja wirklich an jeder Ecke nur gutes bzw. trauriges über dieses Buch gehört. Bis jetzt hatte ich aber nur ein Kloß im Hals als sie, ziemlich am Anfang sagte, sie hätte Angst um ihre Mutter. Was ja wahrscheinlich auch der Grund ist warum sie wissen will was aus der Mutter im Roman wird.
    Sonst vertreibt mir alles kitschige die Tränen. Und mal im ernst: Würden 16/17 Jährige wirklich so reagieren?

    So, ich muss mich bremsen, sonst habe ich keinen Stoff mehr für meine Rezension :D
    In diesem Sinne: Liebste Grüße!
    Folgen tu ich dir ab jetzt natürlich auch!
    Jana

    janaconfused-bookgeek.blogspot.de

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  2. Seh ich genau so! Meine Rezension kommt auch noch :) Am Freitag geht sie online ;)

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  3. Auch wenn mir das Buch persönlich besser gefallen hat, verstehe ich warum es dich nicht ganz überzeugen konnte. :)
    Dein Blog hab ich erst jetzt 'entdeckt' und ich stöbere hier mal weiter rum :D
    LG Elsa

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